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Tausche Panzerung gegen Vertrauen

Vertrauen in den eigenen Körper, in die Welt und in andere Menschen zu entwickeln – das ist an sich schon eine große Aufgabe, die junge Frauen in der Erwachung ihrer Weiblichkeit zu meistern haben. Doch was passiert, wenn eine junge Frau, im zarten Alter und zarter Weiblichkeit, eine schreckliche Grenzüberschreitung erlebt? Was passiert, wenn jemand so viel Scham, Schmerz und Verunsicherung auslöst, dass es nicht anders möglich wird, als sich innerlich völlig zurückzuziehen?

Anja hat es erlebt. Und sie erzählt mutig ihre Geschichte. Eine Geschichte mit vielen Wendungen. Aber eine Geschichte, die uns lehrt, dass selbst die kleinsten Schritte und die seltsamsten Zufälle uns doch stetig auf dem Prozess der Heilung und zurück zum Vertrauen begleiten können.

Ehrlich. Tief. Berührend. Mutmachend.

Tausche Panzerung gegen Vertrauen

Wuuuuushhh! Mit einem Kribbeln im Bauch und Juchzen im Herzen sause ich rasant die Plastikröhre hinunter, bis die Wasserrutsche mich in den aufspritzenden Pool spuckt. Eintauchen. Auftauchen. Raus aus dem Wasser. Direkt noch einmal.

Es geht nicht ohne Komplikationen durch das lautstarke Gewimmel. Ich stoße an, werde angestoßen, mir ist unwohl zumute. Ich bin 13 Jahre alt. Meine erwachende Weiblichkeit macht mir hier noch mehr als sonst schon zu schaffen. Auf einmal kann ich mit meinem Körper nicht mehr wie selbstverständlich umgehen. Seltsame Rundungen, wo vorher einfache, glatte Konturen waren, werden nur unzulänglich vom enganliegenden Badeanzug verhüllt. Wohlfühlen unmöglich. Zum Glück bietet die Wasserrutsche mit ihrem kleinen Action-Kick eine Möglichkeit, mich von diesem Empfinden abzulenken.

Im Gedränge steige ich Stufe für Stufe empor. Ich versuche mit der Aussicht auf den lockenden kurzen Spaß die Nähe so vieler fremder Menschen auszublenden. Unkontrollierbare Berührungen durch Fremde sind hier unvermeidlich. Ein schwieriges Spiel aus Abwarten und Zusammenreißen, um am Ende diesen Sekunden-Rausch der Abfahrt zu erleben.

Ich rutsche nur noch ein einziges Mal …

Etwa auf mittlerer Höhe der Treppe stehend, spüre ich unvermittelt eine selbst für diesen Ort ungewöhnliche Berührung von hinten. Selbst für diesen Ort ungewöhnlich indiskret. Finger fassen mir zwischen die Beine, gezielt, ungeniert, besitzergreifend. Innerlich erstarre ich, auf der Treppe drehe ich mich in einem raschen Schwung um. Das verbessert meine Situation nicht gerade. Vor mir steht feixend ein älterer ausländischer Jugendlicher, der mich noch einige Male mit seinem emporgereckten Mittelfinger traktiert und dann breit grinsend zu seinen drei Freunden hinüberschaut, die um ihn herumstehen. Gejohle in der Jungsgruppe. Er ist Gott!!! Erst ein böser Blick meinerseits und die Hilfe meiner hinter mir stehenden Freunde retten schließlich die Situation.

Soweit sie noch zu retten ist. Dort stehe ich auf halber Höhe der Treppe – plötzlich nicht mehr als ein Stück Fleisch in der Selbstbedienungstheke eines Billigdiscounters, eingeschweißt in einem Badeanzug. Ein innerlich bebendes Stück Fleisch voller Scham über das eben Erlebte in so öffentlich exponierter Lage in der Höhe des Schwimmbades. In keinem Moment zuvor habe ich so sehr auf die Abfahrt durch die Wasserrutsche gewartet.

Nur sehr, sehr selten habe ich seitdem nochmal ein Schwimmbad besucht. Menschengewimmel und die damit verbundene bedrohliche Enge meide ich und jegliche Nähe von Fremden lässt mich innerlich ein kleines Stück erstarren. Badeanzüge mit ihrer Zurschaustellung kann ich an mir kaum ertragen.
Einen selbstverständlichen, genussvollen Umgang mit meinem weiblichen Körper muss ich erst noch lernen. Möchte ich nun nach Jahrzehnten endlich lernen …

Die Wandlung

Denn ganz unerwartet, ohne, dass ich danach gesucht hätte, traf ich kürzlich einen Lehrer, der mir Öffnung und Weitung attraktiver erscheinen lässt als meinen Angstpanzer. Ein ungewöhnlicher Kontakt. Und eine große Herausforderung. Ein Tanz aus Näherkommen und Zurückweichen begann. Als Tanzschritte dienten Offenheit, Faszination, Amüsement, Sympathie, Verunsicherung, Zweifel, Direktheit, Misstrauen, Zutrauen, Anziehung, Erkenntnis. Ganz allmählich fügten sie sich zu einem Puzzle. Stückchen für Stückchen hat dieser großartige Lehrer es geschafft, meinen Schutzpanzer zum Bröckeln zu bringen. Er löste ganz einfach die tiefliegenden Verankerungen. Ich habe Lust bekommen, nun herauszutreten aus den Resten. Ein bisschen Mut erfordert es noch …

Tausche Panzerung gegen Vertrauen

Als ich in einer wundervollen Facebook-Gruppe auf Tatjanas Projekt stoße, eine Sammlung kraftvoller Geschichten und Berichte aus dem Bereich der Weiblichkeit, fühle ich mich unmittelbar angezogen, denke sofort an diesen Text, der gerade erst zehn Tage alt ist.

Das ist neu für mich – alles, was in irgendeiner Weise mit dem weiblichen Sein zu tun hat, interessierte mich früher überhaupt nicht. Als Kind war ich Cowboy, Indianer und Wildtierforscher zugleich. Auch Fußballer, Hockeyspieler und Mitglied einer Jungsbande. Ich erinnere mich allerdings noch gut an den Moment, als ich durch lächerliche kleine Beulen an meinem vorher beruhigend glatten Körper darauf aufmerksam wurde, dass mein 1A Plan, ein Junge zu sein, nicht auf Dauer zu halten sein würde. Das glich einer mittelprächtigen Katastrophe und fortan bewegte ich meinen immer seltsamer werdenden Körper immer ungelenker durchs Leben.

Nach dem oben geschilderten Erlebnis kam eine tiefe, tiefe Scham hinzu, die auf alles ausstrahlte, was irgendwie körperlich war. Das kann wohl geschehen, wenn man von so einem Ereignis in einem sensiblen Zeitfenster erwischt wird. Mir fehlte gänzlich an Leichtigkeit, Selbstverständlichkeit und Unbeschwertheit auf körperlicher Ebene. Und das strahlte sowohl nach außen als auch nach innen ab. Fremde Menschen mussten sich mein Vertrauen stets erst einmal erarbeiten, am wohlsten fühlte ich mich, wenn ich die Menschen in meinem Umfeld kannte (und wenn da nicht zu viele umherschwirrten).

Dennoch konnte ich Jahre später mit mir vertrauten Partnern durchaus genussvoll Beziehung und Sexualität leben. Nur das völlige Fallenlassenkönnen, das Sich-komplett-Öffnen, das Versinken und Emporgehobenwerden, das gehörte nicht zu meinem Repertoire.

Der Beginn meiner Versöhnung mit dem Frausein

Erst mit den Schwangerschaften, den Geburten und den Stillzeiten meiner drei Kinder trat ich in eine Versöhnung mit dem Frausein ein. Diese durch und durch wundersamen Erlebnisse durfte ich nur durch meine Weiblichkeit erfahren. Das hat mich verändert. Ich kam nicht mehr daran vorbei, Frausein toll zu finden. So dachte ich zumindest.

Bis 20 Jahre später, um den letzten Jahreswechsel herum, ein Facebook-Kontakt aus heiterem Himmel hereinschneit. Eine Freundschaftsanfrage mit netter Begrüßung – es entwickelt sich ein kleiner Chat. Mein Chatpartner stellt gleich am zweiten Abend die Frage: Bist du gerne Frau? Da fällt mir erst auf, dass ich zwar ausgesprochen gerne Mutter bin, aber Frau? Muss man halt sein, um Mutter sein zu können. Zählt das?

Puh, ich bin aufgewühlt – da platzt so ein Fremder in mein Leben, dessen Absichten ich auch im weiteren Chatverlauf überhaupt nicht einschätzen kann, und tritt mir ziemlich schnell so nahe, wie zuvor kaum jemand. Eine Riesen-Herausforderung für mich! Dennoch hat er etwas, was mich dabeibleiben lässt. Es ist ein interessanter Austausch mit ihm, durchsetzt mit viel Humor, aber auch sehr ungezwungener Direktheit von seiner Seite. Was hat er vor? Ist es ein Abchecken? Immer wieder weiche ich innerlich zurück, wenn es mir zu konkret wird. Nur, um dann allmählich wieder vorsichtig heranzukommen. Es ist wie ein Tanz. Ein Tanz um Vertrauen.

Es stellt sich heraus, dass er Masseur ist und Körperarbeit anbietet. Irgendwann gibt er mir zu verstehen, dass mir eine Behandlung bei ihm bestimmt sehr guttäte. Dass ich mich einfach mal richtig spüren könnte (ohne Hintergedanken ). Aha, Kundenakquise per Facebook-Chat?!! Hmm …

Die Konfrontation mit den Themen Missbrauch & Körperarbeit

Körperarbeit, ausgerechnet! Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass in diesem Augenblick bei mir ein akuter Fluchtreflex aufkommt. Sich spüren – ist es das, was ich will? Oder ist es ganz genau das, wo ich seit Jahrzehnten drumherum eiere, um eben das zu vermeiden?

Ich gebe ihm zu verstehen, das könne ich mir so ganz und gar nicht vorstellen, erst recht nicht nach unserem Chat. Da müsse er als Profi überhaupt gar keine Hintergedanken haben (wovon ich zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht wirklich überzeugt bin), aber ich hätte sie bestimmt. Daher – falls ich überhaupt so etwas andenken würde, dann ganz sicher nicht bei einem Mann. Er erwidert, es könne aber sehr hilfreich sein, sich drauf einzulassen. Er arbeite seit mehr als 20 Jahren, liebe seine Arbeit und hätte viel Erfahrung mit Missbrauch. Ich solle einfach meiner Intuition folgen.

Intuition habe ich im Augenblick dazu noch gar keine, das alles hat mich viel zu überraschend erreicht. Und – Moment mal! – Missbrauch? Hab‘ ich da irgendetwas verpasst? Wieso Missbrauch? Ich antworte: „Aber ich habe damit keine Erfahrung. Glaube ich jedenfalls!“ Er ist sich sicher. Ich weiß nicht, ob ich Ferndiagnosen solcherart so besonders professionell finden soll.

In der folgenden Nacht schlafe ich kaum. „Missbrauch“ hallt durch meinen Kopf … Nach und nach steigen zwei Situationen auf, die bereits sechs Monate zuvor nach einer intensiven Hypnosetherapie schon einmal hochgekommen waren. Eine davon ist die oben beschriebene. Mein Hypnosetherapeut sagte mir damals, ca. 70% aller Frauen seien von Missbrauch, Übergriffigkeiten oder Gewalterfahrungen in irgendeiner Art betroffen und häufig setzten sich diese traumatisch im Körper-/Seele-System fest. Leider war meine Therapie schon beendet, so dass wir diese Momente nicht mehr bearbeitet haben.

Ich will meinen Schutzpanzer abschütteln

Und nun sind sie also wieder da … Nachdem sich der erste innerliche Aufruhr in mir gelegt hat, halte ich am nächsten Morgen beide schriftlich fest. Das hilft mir stets bei Klärung und Verarbeitung. Ich heiße nun die Erinnerungen willkommen. Noch einmal sollen sie nicht einfach wieder untertauchen in irgendwelchen Winkeln des Unterbewusstseins, von wo aus sie gut 30 Jahre lang einen Teil meines Lebens steuerten. Besser, wenn man seinem Feind ins Gesicht sehen kann, sogar, wenn der in einem lagert!

Es vergehen noch einige Tage und einiges an Austausch fließt durch den Chat hin und her, bis ich mich eines Morgens aus dem Bauch heraus entscheide: Ja, ich werde in nicht allzu ferner Zukunft nach Österreich reisen, um eine Behandlung in Körperarbeit zu erleben. Und ich werde sie bei diesem Lehrer erleben, der das alles aus mir wieder hervorgeholt hat. Ich kann ihn und seine Beweggründe immer noch nicht wirklich einschätzen. Aber sie sind im Grunde auch egal – ich weiß, was unser Kontakt mit mir gemacht hat. Das fühlt sich gut an. Und verdient Vertrauen. Es fühlt sich an, als sei er exakt zum jetzigen Zeitpunkt gesandt worden – das passt perfekt! War im vergangenen Jahr mit der Hypnosetherapie die Seele dran, so darf sich in diesem Jahr wohl der Körper reinigen.

Ich will die Reste meines Schutzpanzers abschütteln, will mich fallenlassen, mich weiten und vertrauen lernen. Ich habe größten Respekt vor diesem Schritt, schätze, das geht näher ran an mich, als alles, was zuvor je gewesen ist. Gerade deshalb möchte ich ihn nun gehen. Und ich ahne um die Wichtigkeit, dass Heilung für mich durch einen Mann geschieht und will nicht länger ausweichen.

Der Funke meines Vertrauens erlischt erneut

Zwei Wochen später ist plötzlich alles wieder völlig verschwommen – der Facebook-Kontakt ist abgebrochen, ich bekomme keine Antworten mehr auf meine Fragen. Ich selbst hatte für mich schon festgestellt, dass es aus therapeutischer Sicht wohl eher von Vorteil wäre, die Verquickung aus privatem und beruflichem Kontakt irgendwie zu klären.

So bedauerlich ich das einerseits auch finde, jetzt und hier geht es um Heilung. Am hilfreichsten wäre es für mich wahrscheinlich, wenn er mir im Vorfeld so fremd wie möglich bliebe, nachdem der erste Vertrauensfunke einmal aufgeglommen ist. Mich auf jemanden Fremdes einlassen – wenn mir das in ganz direktem, hautnahem, aber professionellem Kontext gelänge und ich positive Erfahrungen machte, das könnte auch Auswirkungen haben auf zukünftige Kontakte zu Fremden. So ganz loslassen kann ich innerlich trotzdem nicht, obwohl die Reaktionen längst spärlicher wurden. Ich beschränke mich also auf Fragen zum therapeutischen Rahmen. Die alsbald einfach nurmehr ignoriert werden.

Emotional eine schwierige Situation, da steigen alte Verletzungen von Zurückweisung empor. Das schmerzt. Mein Vertrauen ist wieder erschüttert, ich fühle mich verunsichert. Diente ich schlichtweg als lockeres Amüsement für zwei langweilige Abende? Abgecheckt und abgehakt? Das fühlt sich ein bisschen so an wie in der Selbstbedienungstheke eines Billig-Discounters.

Mit dieser Verletzung kommt auch kindlicher Trotz in mir hoch: Habe ich mir doch gleich gedacht, dass etwas nicht stimmte. Bewusstheit, Offenheit, liebevolle Ehrlichkeit – gerade fühlt sich das für mich völlig anders an. Irgendwie bekam ich nicht zu greifen, was da nicht zueinander passte. Aber jetzt habe ich den Beweis. Oder?

Ein Perspektivwechsel hilft mir zum tieferen Ich-Verständnis

Oder kommt es gar nicht darauf an, wie sich ein anderer mir gegenüber verhalten hat? Es ist nicht meine Position, das zu beurteilen, ihn zu bewerten, was meine Verletztheit von mir schmollend fordert. Aus seiner Sicht sehen die Dinge mit Sicherheit ganz anders aus. Das ist immer so, es gibt einfach immer die verschiedenen Perspektiven. Ich kann nur damit arbeiten, was diese Begegnung mit mir gemacht hat, was jetzt die Zurückweisung mit mir macht. Und das ist eine ganze Menge.

Ich versuche, in diesen Schmerz ruhig hineinzugehen, einzutauchen, ihn zu durchspüren, zu fühlen, was ist, allem seinen Platz zu gewähren. Dies gelingt mir zum ersten Mal so konkret und das fühlt sich bei allem Wundsein auch wiederum stärkend an. Ich fühle mich dem Schmerz dadurch nicht hilflos ausgeliefert, wie erstarrt voller Fluchtgedanken, sondern spüre Bewegung, Entwicklung, die vielleicht in Heilung münden darf.

Ich muss einsehen, dass wir uns auf verschiedenen Ebenen bewegt haben in unserem Kontakt. Die Leichtigkeit, das Spielerische kann auch ich genießen, aber es bleibt bei mir niemals an der Oberfläche, wenn es mir gelingt, mich einzulassen. Vielleicht hat auch das eine Art Schutzfunktion: Mir nahekommen darf nur, wer mir vertraut und liebgewonnen ist. Alle anderen könnten eine Gefahr darstellen. Daher neige ich wohl dazu, in solche Kontakte schnell zu viel innere Nähe hineinzulegen, sie aus meiner eigenen Notwendigkeit heraus zu überladen. Das kommt dann beim anderen unter Umständen als zu große Enge an, so sind zumindest meine Mutmaßungen. Da kann ich nun gar nicht anders als loslassen, freigeben. Das fällt mir ganz schön schwer.

Die Spuren der Veränderung begleiten mich auf meinem Heilungsprozess

Trotz dieser Entwicklung arbeiten die Impulse, die einmal gesetzt wurden, weiter in mir. Diese Impulse haben schon einiges bewegt und ich bin nicht gewillt, das wieder untergehen zu lassen. Ich möchte das nutzen, was ich einfach so geschenkt bekommen habe. Und ich kann nur genau das bestmöglich nutzen, was ich bereits geschenkt bekommen habe. Ich kann mir nichts erkämpfen, kann nichts erzwingen. Muss ganz bei mir bleiben.

Und auch hier will ich nicht länger zurückscheuen, will raus aus dem begrenzenden Schutzpanzer hinein in die Öffnung. Ich möchte dem Leben vertrauen, dass alles genau so, wie es kommt, ganz genau richtig ist. Ich begebe mich also auf die Suche nach einem männlichen Therapeuten in meiner Region, der ganzheitliche Körperarbeit anbietet. Einem ganz Fremden. Eine Menge Mut erfordert das.

Tausche Panzerung gegen Vertrauen …

Ich habe all das formuliert für Euch und sofort steigt Unsicherheit in mir hoch: Wird mein Text überhaupt jemanden erreichen? Wird das irgendjemanden berühren? Ich habe im Projektaufruf von Tatjana so viele faszinierende Themen von starken Frauen, kraftvoll ihre Weiblichkeit lebend, gelesen – da passen meine Zeilen, die von größter Unsicherheit erzählen, doch gar nicht wirklich hinein.

Möchte ich wirklich diese meine Geschichte öffentlich machen? Wenn das jemand liest, der mich kennt, werde ich diesem Menschen noch ins Gesicht schauen können? Da ist sie noch immer, die Scham über das, was unfreiwillig Teil meiner Geschichte ist. Scham über das lange Suchen nach der eigenen Identität. Ja, auch ganz konkret Scham den eigenen Körper betreffend. Noch immer trage ich die Schwere des Schutzpanzers mit mir herum.

Aber da ist auch der bewusste Entschluss für Öffnung und Weitung. Da ist das Beispiel, Veränderung anstoßen zu können, selbst wenn es bis dahin Jahrzehnte gedauert hat. Und da ist die wundersame Geschichte von einer Begegnung, die unerwartet, ungeplant zum perfekten Zeitpunkt geschah. So guttat. Und einfach wieder vorüberging, genau in dem Moment, als ich Halt gefunden zu haben glaubte. Eine Herausforderung, die eigene Stärke mitten in der Verunsicherung zu entdecken, mir selbst Halt sein zu können. Und damit eine Möglichkeit, die empfangende, transformierende und freigebende Stärke der Weiblichkeit von innen auch nach außen wirken zu lassen. Zum Beispiel durch diesen Text?

Mischa Miltenberger schreibt auf Adios Angst – Bonjour Leben:

„Mut ist Angst plus ein Schritt“.

Dieser wirklich starke Satz begleitet mich jetzt schon eine ganze Weile. Zunächst faszinierte er mich einfach wegen seiner klaren Nachvollziehbarkeit, aber mehr und mehr hält er regelrecht Einzug in mein Leben und ist in der aktuellen Situation ein wunderbarer Anker. Er fordert immer wieder auf, über meine Grenzen hinauszugehen, ein kleines Stück nur. Alles andere wird folgen.

Ist das alles Zufall? Daran glaube ich nicht mehr. Eher ein Zeugnis dessen, dass das Leben uns leitet und wir solche Geschenke vertrauensvoll annehmen dürfen, auch wenn das Auspacken nicht immer sofort Spaß macht.

Tausche Panzerung gegen Vertrauen …

P.S.: Zwei Wochen vor Abgabeschluss dieses Textes erhalte ich völlig unvermittelt das nächste Geschenk von meinem anscheinend aktuell sehr freigiebigen Leben. Meine aktive Suche nach Therapeuten war nicht besonders ergiebig gewesen, es hat mich nichts wirklich angesprochen, als mich nur kurz darauf wieder eine Freundschaftsanfrage auf Facebook erreicht. Es entspinnt sich ein kurzer, netter Kontakt und ich finde heraus, dass mein Gegenüber mit der Kombination Hypnose und Massage ideal das abdeckt, was ich zu benötigen glaube. Ich kann nur noch staunen. Und nehme dann all meinen Mut zusammen, rufe an. Die Kommunikation läuft wunderbar – offen, achtsam und respektvoll, dennoch mit einem schönen Schuss Leichtigkeit und Humor. So mag ich das. Und vereinbare einen Termin.

Jetzt tausche ich meine Panzerung gegen Vertrauen.


Bildquelle:

Anja M.

 

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Liebe Anja,
ich finde es so klasse, dass du den Mut hattest hier auf Tatjana’s Seite deine Geschichte zu veröffentlichen und dich zu zeigen. Dass das eine große Portion Mut erfordert weiß ich aus eigener Hand. Umso toller, dass du das gemacht hast. All deine Zweifel die damit verbunden sind und die Gedanken kann ich voll und ganz nachvollziehen: Was ist, wenn das jemand liest, den ich kenne? Interessiert meine Geschichte überhaupt jemanden?

Mich hat deine Geschichte sehr bewegt und deine Zeilen passen sowas von hier hin.
Du hast eine Erfahrung zu einer Zeit deines Lebens gemacht, in der du selbst nicht wusstest, was du von deiner Veränderung halten sollst. Du warst auf dem Weg dich zu entwickeln und dann dieser Junge…… dass du erstmal einen Schutzpanzer aufgebaut hast ist wohl die natürlichste Reaktion. Aber, und das ist das wichtigste, du hast gemerkt, was es mit dir raus. Erkenntnis ist der erste Schritt und dann bist du los gegangen, auf deinen Weg. Und die Erfahrungen, die du dann gesammelt hast und die Begegnungen, die dich unverhofft getroffen haben, sind ganz sicher nicht von Zufall. Wie du sagst, ich glaube auch nicht, dass es Zufälle gibt und diese Begegnungen haben neue, alte bekannte Gefühle und Erinnerungen wieder hervor geholt und das ist toll, denn jetzt haben sie Platz in deinem Leben. Du siehst die Chance sie nun nicht mehr verschwinden zu lassen sondern dich ihnen kraftvoll und mit viel Mut zu stellen, so dass sie sich lösen können, du deinen Körper und dich weiter kennenlernst und dann als gestärkte Frau, und stark bist du jetzt schon, da heraus gehen kannst.

Ich finde das richtig toll und wünsche dir für deinen Weg alles alles liebe und Gute!

Herzlich grüßt dich
Jenny

Antworten

    Wow, Jenny, ich danke Dir sehr für Deine Worte! Das berührt mich, dass es so bei Dir angekommen ist!
    Auch Dir alles Liebe – Anja

    Antworten

Da gehört wirklich viel mut dazu. Sehr rührend geschrieben. Ich finde es immer toll, wenn jemand sich nach außen öffnet. Es gibt so viele Menschen da draußen, denen dies mut macht und sie anfangen, zu sich zu stehen.

Ich wünsche dir auf den weiteren Wegen alles gute 😉
Liebe Grüße

Antworten

Lieben Dank für Deine Worte, Nici!
Es wäre wundervoll, wenn mein Artikel anderen Frauen Mut machen könnte, dann hätte sich meiner schon doppelt gelohnt <3.
Ich selbst ziehe stets am meisten aus den authentisch mitgeteilten Erfahrungen anderer, diese geben einfach immer wieder die Möglichkeit die eigene Perspektive zu weiten und manchmal auch einen hilfreichen Anstupser.
Und es ist mir wichtig, dieses völlig ungerechtfertigte Schamgefühl zu entmachten, das ich nur zu gut kenne. Ich selbst arbeite für mich weiterhin daran und habe sicherlich noch einen langen Weg vor mir. Wichtig ist mir: Du kannst nichts dafür, was dir einfach so geschehen ist. Aber du musst dein Leben nicht davon bestimmen lassen, wenn du bestimmte Dinge löst und mit anderen umgehen lernst.

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