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Wie ich mich meinen sozialen Ängsten stellte

Wie ich meine sozialen Ängste loswurde – eine persönliche Geschichte

Jahr 2011 – das Jahr meines persönlichen Durchbruchs.

Es war das Jahr, wo ich wortwörtlich kick ass mit meinen sozialen Ängsten betrieben habe.

Meine sozialen Ängste

Ich war bis dahin ein sehr unsicheres Mädchen gewesen. Schüchtern, zurückhaltend und insgesamt eher introvertiert… Meine Unsicherheit bezog sich vor allem auf soziale Situationen. Ich fühlte mich „nicht interessant genug“ im Kontakt mit anderen Menschen. Ich fühlte mich in Gegenwart anderer Menschen unsicher und hatte Angst mich zu zeigen. Ich hatte Angst, dass ich mich nicht richtig ausdrücken kann, dass ich blöd oder langweilig wirke. Ich hatte Angst etwas falsch zu machen oder etwas Falsches zu sagen und am Ende ausgelacht und ausgegrenzt zu werden. Und ich hatte sehr große Probleme mich anderen Menschen gegenüber zu öffnen, mich auf andere einzulassen und vor allem anderen Menschen zu vertrauen.

Was ich an mir hasste

Es gab bis dahin Dinge, die ich absolut an mir hasste: Wenn ich nervös wurde, hörte man plötzlich meinen Akzent und das war mir früher so unangenehm gewesen, dass ich versuchte bestimmte Worte mit „rrr“ zu vermeiden. Ich machte mich selbst stumm.

Und dann wurde ich auch noch rot – wenn ich nervös wurde, wenn ich traurig war, wenn ich mich ärgerte, wenn ich angespannt war, wenn ich Hunger hatte, wenn mir heiß oder kalt war oder wenn ich doll lachen musste. Wenn ich auf Persönliches oder mein rollendes „rrrr“ angesprochen wurde. Ich hasste es!!

Ich kam mir klein, blöd und noch viel unsicherer vor. Als junge Frau kam ich mir dann total unattraktiv und langweilig vor… Ich entwickelte eine richtige Angst mich zu zeigen und machte mich noch viel stummer.

Und je mehr ich über mich nachdachte, desto mehr fiel mir auf, was andere an mir doof finden könnten.

Soziale Ängste wurden zu meiner zweiten Haut

Diese Unsicherheiten und Ängste trug ich schon so lange in mir, dass sie zu meinem täglichen Begleiter wurde. Und so hatte ich durch all die Jahre „verlernt“, wie es ist sich im Smalltalk zu üben, sich entspannt mit jemandem zu unterhalten, Gesprächsthemen zu finden und vor allem über mich selbst zu erzählen. Zurückhaltung war mein ungewolltes und aufgezwungenes Lebens-Motto.

Nur im Kreis weniger Personen war ich offen, ehrlich und sagte meine Meinung. Nur da zeigte ich meine extrovertierte Seite. Nur da vertraute ich darauf, dass es okay ist mich zu zeigen. Und so kannten mich nur ganz wenige Menschen wirklich „gut“. Dazu gehörten meine Familie und einige gute Freunde. Doch über meine Ängste und Unsicherheiten sprach ich nicht. Ich litt darunter, aber ließ niemand anderes an diese Ängste heran.

Ich war so in mich gekehrt… es dauerte so verdammt lange, bis ich bei Menschen auftaute…

Soziale Ängste wirken im Außen oft ganz anders

Weißt du, wie ich damit nach Außen wirkte?

Distanziert, kontrolliert und unnahbar.

Kompliziert, arrogant, kühl.

Von oben herab.

Dabei waren das ziemlich die letzten Eigenschaften, die ich hatte und das letzte, wie ich im Außen wirken wollte.

Viele Menschen konnten mich nur sehr schwer einschätzen. Vor allem Frauen.

Das waren Rückmeldungen, die ich bekam… und wenn es mal doch passierte, dass ich zum Beispiel mit jemandem in Kontakt kam und langsam auftaute, dann hörte ich oft: „Du bist netter, als ich gedacht habe.“

Was für ein Feedback oder?

Meine größte Angst

Und weißt du, was meine persönliche HÖLLE war?!?!

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.

Das ist auch die Ironie der Geschichte – ich studierte Psychologie, weil ich einen sehr festen Glauben an meine Fähigkeiten als angehende Psychologin hatte. Aber ich war sozial phobisch. 😀

Im Studium mussten wir jedes Semester 3-6 Vorträge und Referate halten.

Das war FOLTER!!

Mein Perfektionismus übernahm damals die völlige Kontrolle – nicht inhaltlich/fachlich, sondern in Bezug auf meine Sprache!

Ich lernte einen oder zwei Abende vor dem Tag des Referats JEDEN SATZ MEINES VORTRAGES AUSWENDIG, um meine Unsicherheit nicht im Außen zu zeigen, um mich nicht zu blamieren.

Was mir fachlich gut gelang, scheiterte völlig an meiner Unsicherheit in der Kommunikation.

Kannst du dir vorstellen, wie viele Stunden, wie viel Stress und Kraft ich damit verbrachte, damit niemand meine Unsicherheit merkt? …. Und ich muss an dieser Stelle zugeben: Mit keinem Referat oder Vortrag wurde es deutlich besser.

Und dann kam 2011

Im Sommer 2011 begann ich mein erstes klinisches Praktikum an einer Klinik für Psychosomatik.

Klinische Praktika waren bei meinem Studienschwerpunkt Pflicht und ich freute mich tatsächlich darauf, denn klinische Psychologie war genau der Bereich, in dem ich arbeiten wollte.

Und dann ging das Praktikum los… ich kam als Praktikantin auf eine Privatstation. Das heißt: Manager, Unternehmer, Professoren, Geschäftsführer, Lehrer und Menschen, die sich finanziell die Privatstation leisten konnten.

Sprich: Hier herrschten hohe Erwartungshaltungen an die Therapeuten.

Ich durfte an allen Therapien teilnehmen und wurde durch den Chefarzt und die anderen Kollegen von Anfang an intensiv in alle Prozesse eingebunden. Sie wussten natürlich nichts von meiner sozialen Ängsten und Unsicherheiten und ich hätte mir eher ein Bein abgehakt, bevor ich jemandem davon erzählt hätte. Davon ab war es mir verdammt wichtig möglichst viel zu lernen, viele praktische Erfahrungen mitzunehmen, einen guten Eindruck zu hinterlassen und am Ende ein tolles Zeugnis zu bekommen.

Wie ich mich meinen sozialen Ängsten stellte

Das bin ich 2011 in Marburg. 🙂

Das Verlassen der Komfortzone

Also begann damals mein Verlassen der Komfortzone.

Nicht langsam, sondern mit vollem Karacho!

Rückblickend betrachtet war mir das nur gelungen, weil mein WARUM so verdammt stark war!

Ich wollte endlich den Beruf in „real life“ erleben, der damals mein Traumberuf war. Und ich wollte mir selbst und allen, die an mir zweifelten, beweisen, dass ich eine richtig gute Psychologin werde!

Verstecken war da also nicht drin…

Ich machte mich sichtbar

Ich fing mit 1:1 Kontakten mit Patienten an, denn ich durfte andere Therapeuten in der klinischen Diagnostik unterstützen.

Meinst du, in so einem 1:1 Kontakt hatte meine Unsicherheit und Angst noch einen Platz?

Auf einer Privatstation?

PAH! Stottern, rot werden, wortkarg sein, sich zurückzeigen oder sich verstecken?

Naja, damit wäre ich gefundenes Fressen 😀

Als nächstes besuchte ich Gruppentherapien und da ich kein stummer schüchterner Opfer-Fisch sein wollte, sprang ich über meinen Schatten und beteiligte mich an allen Therapien.

Und dann fragte mich ein Co-Therapeut, ob ich Lust hätte seine Gruppentherapie nicht nur zu begleiten, dort zuzuschauen und mit zu kommentieren, sondern sie komplett alleine zu leiten – natürlich in seiner Anwesenheit.

Ich stellte mich meinen Ängsten

BÄM! Ein Teil in mir machte Freudensprünge, weil ich so eine grandiose Chance bekam. Und ein anderer Teil verkroch sich unter dem Teppich.

Die Leitung einer Gruppentherapie bedeutet Flexibilität in Kommunikation pur.

Nix mit vorbereiteten oder vorher auswendig gelernten Sätzen. Nix mit rein fachlichem Vortrag. Da sitzen 13 Leute, du stehst im Mittelpunkt und leitest die Sitzung, die 110 Minuten dauert. Thema der Sitzung ist vielleicht bekannt, wenn man Glück hat. Aber WAS GENAU dann passiert, ist absolut unberechenbar.

Was meinst du, habe ich zu- oder abgesagt? 😉

Natürlich sagte ich zu!! So eine Chance!! Und ich hatte  plötzlich so absolut gar keine Lust meine Unsicherheit in meinem Praktikum zu bedienen. Ich wollte über mich hinauswachsen.

Ich wollte plötzlich gesehen werden mit dem, was an Potenzial in mir steckt. Und ich wollte endlich Freude erleben und mir wurde klar: DAS IST MEINE CHANCE!!

So kam es zu meinem persönlichen Durchbruch… ich durfte diese Gruppentherapie leiten. Der Therapeut war anwesend, hielt sich aber zu 90% zurück und ich wurde zum Showmaster.

Konfrontation ist und bleibt kein Zuckerschlecken

NATÜRLICH begegnete ich meinen Ängsten und NATÜRLICH passierte genau das, was ich so befürchtete:

ich stotterte, wurde hunderte Male rot, versprach mich, machte an der Tafel Rechtschreibfehler und rollte ständig mein verhasstes „rrrr“.

Es kam sogar vor, dass ich vor versammelter Patienten-Runde weinen musste – die Horrorvorstellung vieler Therapeuten!!

Und SELBSTVERSTÄNDLICH stellten mich einige Patienten in Frage, ganz nach dem Motto „Sie sind doch bloß eine Praktikantin. Sie sind doch nicht mal halb so alt wie ich. Was wollen Sie mir denn vom leben erzählen?“

Weißt du was der größte Witz an dieser Geschichte war?

Es war die Gruppe, wo man den Patienten dabei halt ihre sozialen Kompetenzen zu verbessern. Also die Gruppe, wo man anderen zeigen durfte, wie man in verschiedenen sozialen Situationen adäquat kommuniziert, sein Recht durchzusetzt, seine Grenzen bewahrt, seine Bedürfnisse kommuniziert und auch wie man mit eigenen Ängsten und Unsicherheit umgehen kann. Jaja… ich, die mit den sozialen Ängsten, durfte das leiten.

Fragst du dich gerade, wie das Resultat von der ganzen Geschichte war?

Ich erlebte in dieser Zeit meine Ängste, ich konfrontierte mich und verließ meine Komfortzone und meine Erfahrung war:

Auch wenn es kacke ist, wenn man weint, rot wird oder sonst was – es ist nicht schlimm!

Schlimm ist nur, wie ICH SELBST damit umgehe und wie ich es bewerte. Erst durch die eigene Bewertung entsteht der ganze Gedanken-Bullshit und erst dann entstehen im Außen auch all die negativen Erfahrungen, vor denen man sich fürchtet. Das bezeichne ich gerne als „die sich selbst erfüllende Prophezeiung“.

Ich entdeckte meine Stärken in der Kommunikation und realisierte, dass ich mir in vielen vielen kritischen Situationen doch richtig vertrauen kann. Plötzlich merkte ich, dass neben Angst und Unsicherheit ein großes intuitives Gespür da war, das mich in der Kombination mit meinem Fachwissen wie ein Kompass leitete.

Und ich machte meine Sache richtig gut – so gut, dass ich am Ende Empfehlungsschreiben bekam, wiederkommen durfte und mir mehr zugetraut wurde, als vielen Praktikanten vor und nach mir.

Der Weg mit Ängsten und nicht mehr der Kampf gegen sie

In diesem Praktikum habe ich mich verändert. Ich bin gewachsen, ich habe einige Schatten verlassen und wenn ich sie später oft noch spüren konnte, ging ich nun anders damit um.

Ich wurde gelassener und hörte auf mich so zu bewerten wie früher. Ich fing an, an mich zu glauben.

Ich blieb weiterhin introvertiert und mein Vertrauen in Menschen blieb dennoch gering, aber meine sozialen Ängste wurden viel kleiner. Gefühlt von der Größe eines Mount Everest auf die Größe einer 5kg schweren Wassermelone.

 

Magie passiert dann, wenn du deine Komfortzone verlässt.

Es ist schwer, es kostet Kraft, Emotionen und viel Überwindung, aber jede Erfahrung, die du machst, ist ein riesiger Gewinn!

 

Herzensgrüße

Tatjana

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