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Nici, die Bloggerin von UNBEMERKT ist trotz ihrer Essstörung, Depression und der Diagnose Asperger nach Dänemark ausgewandert

Auswandern nach Dänemark – trotz Essstörung, Depression & Asperger

Auswandern nach Dänemark trotz Essstörung, Depression und einer Asperger – Diagnose? Meinst du das geht?

Wir sagen JA, denn wir haben eine junge Frau kennengelernt, die genau diesem Weg gefolgt ist. Sie entschied sich nach Dänemark zu gehen, sich ein neues Leben aufzubauen und dort allen Herausforderungen des Lebens die Stirn zu bieten.

Für dieses Interview haben wir die liebe Nici eingeladen. Nici schreibt über ihre Geschichte auf dem Blog UNBEMERKT.

Liebe Nici, trotz deines jungen Alters hast du schon verdammt viel Lebenserfahrung auf dem Kasten. So wurde bei dir zum Beispiel mit 17 Jahren an einer Essstörung und mit 20 Jahren eine Depression diagnostiziert. Erzähl uns bitte, wie haben sich diese Erkrankungen gezeigt und wie haben sie sich auf dein Leben ausgewirkt?

Meine Essstörung kam sehr schleichend. Am Anfang habe ich nur versucht ein bisschen weniger und gesünder zu essen. Dann habe ich angefangen Fitnessübungen zu machen und Training und Essen immer genau zu notieren. Ich bin jeden Tag mindestens einmal auf die Waage gestiegen. Man könnte sagen, ich bin süchtig nach dem Gefühl geworden, das ich empfunden habe, wenn ich abgenommen habe. Manchmal war es sogar so, dass ich mich dazu gezwungen habe zwei Mal am Tag zu joggen. Das Ganze hat sich natürlich auf meinen Körper ausgewirkt. Ich war sehr schlapp, konnte mich schwer konzentrieren und mir war oft schwindelig. Es hat sich oft auch auf mein Sozialleben ausgewirkt. Ich habe zum Beispiel vermieden mich mit Freunden zu treffen, wenn ich wusste, dass wir zusammen essen würden.

Das Leben mit einer Essstörung kann einen oft einschränken, aber die Depression zu haben war noch viel schlimmer. Es war, als ob ich kein richtiges Leben mehr gehabt hätte. Ich war ununterbrochen traurig. Ich bin sogar nachts aufgewacht und musste weinen, weil es mir so schlecht ging. In der Früh hatte ich keine Energie um überhaupt aufzustehen und ich hatte nicht einmal Lust auf meine Lieblingsbeschäftigungen. Eine Depression raubt einem einfach die Freude an allem.

Wie war es mit der Essstörung als Mädchen zu leben? Inwiefern hat sich deine damalige Essstörung auf dein Frausein und deine Weiblichkeit ausgewirkt?

Ich glaube, dass es auf jeden Fall einfacher ist als Mädchen eine Essstörung zu haben als als Junge. Ich könnte mir vorstellen, dass es als Junge sehr schwer ist, weil alle Informationen zu Essstörungen immer um Mädchen handeln. Als Mädchen ist es normaler eine Essstörung zu haben. Was ich allerdings schwierig finde, ist, dass es oft so dargestellt wird, als ob Mädchen nur Essstörungen entwickeln würden, weil sie sich an extremen Schönheitsidealen der Medien orientieren. So war es in meinem Fall gar nicht. Ich denke, dass hinter jeder Essstörung ein viel größeres Problem liegt und die wenigsten einfach nur dünn sein wollen.

Als die Depression nachgelassen hat, hast du dich trotzdem irgendwie „anders“ gefühlt oder? Du hattest das Gefühl, dass mit dir „etwas nicht stimmt“, dass du anders bist. Woran hast du das ausgemacht? Und woran haben andere es gemerkt?

Ich bin mir nicht sicher, ob es anderen auch aufgefallen ist, aber ich habe selbst gemerkt, dass ich nie so viel Energie habe wie andere. Oder vermutlich habe ich am Anfang des Tages genau so viel Energie wie andere, verliere sie aber im Laufe des Tages schneller. Meine Psychologin meinte, das läge noch an der Depression, aber heute weiß ich, dass das nicht der Fall war.

Dann kam die Diagnose „Asperger“. Was bedeutet es für dein Leben mit Asperger zu leben?

Ich brauche sehr viel Struktur in meinem Leben und muss gut auf neue Dinge vorbereitet sein. Ich kann manchmal in sozialen Situationen komisch wirken, weil ich zum Beispiel wenig Augenkontakt halte und mir mit Small Talk schwer tue. Oft bin ich auch zu direkt und verstehe nicht, wieso ich bestimmte Dinge eher für mich behalten sollte anstatt sie auszusprechen. Und wie ich oben schon angesprochen habe, verliere ich schneller Energie als Neurotypische (Menschen ohne Autismus). Das liegt daran, dass mir zum Beispiel der Filter fehlt um unwichtige Geräusche ignorieren zu können. Mein Energiespeicher lädt sich außerdem langsamer auf als der von anderen.

Inwiefern ist der Asperger ein Fluch und inwiefern doch ein Segen für dein Leben?

Mein größtes Problem in meinem Alltag mit Asperger ist die wenige Energie. Ich merke zum Beispiel in meinem Studium immer wieder, dass alle meine Kommilitonen Freizeitaktivitäten, Training oder Jobs neben dem Studium haben. Ich selbst muss nach dem Unterricht erst mal stundenlang entspannen und Energie tanken.

Mit meiner Asperger Diagnose gehe ich sehr offen um und schreibe auch einen Blog darüber. Ich habe schon viele Nachrichten bekommen, in denen mir Leute geschrieben haben, dass ich ihnen geholfen habe und sie sich durch meine Beiträge nicht mehr so alleine fühlen. Eine meiner Leserinnen meinte sogar, dass ich ein Vorbild für sie sei. Es ist ein wirklicher Segen Menschen berühren zu können und ihnen helfen zu können.

Trotz deiner Krankheitsgeschichte hast du etwas gewagt, wovon viele andere Menschen nachts träumen, aber es sich nicht zutrauen: Du bist ausgewandert in das schöne Dänemark. Welche Sehnsüchte, Träume oder Ziele haben dich mit deinen 19 Jahren nach Dänemark getragen?

Ich habe mich schon immer für Sprachen interessiert. Im Gymnasium habe ich zum Beispiel vier Sprachen gelernt. Als ich nach dem Abitur nicht sofort wusste, was ich machen wollte, habe ich mich für einen Auslandsaufenthalt entschieden. Ich wollte mein Englisch verbessern, Dänisch lernen und herausfinden, was ich studieren wollte. Eigentlich war der Plan nur ein halbes Jahr in Dänemark zu bleiben. Dadurch wurde dann erst ein ganzes Jahr und dann bin ich einfach in Dänemark geblieben. Ich hatte also eigentlich gar nicht geplant auszuwandern, sondern es ist einfach so passiert.

Oft machen wir uns klein und relativieren unsere Erfolge. Das ist gar nicht gut für’s Selbstwert und das Selbstbild. Worauf bist du richtig stolz? Was magst du an dir total gerne? Und was können andere Gleichaltrige von dir als Vorbild lernen? 

Ich bin sehr stolz darauf, dass ich nach Dänemark ausgewandert bin und so selbstständig bin. Es gibt zwar viele Kleinigkeiten, bei denen ich Hilfe brauche. Ich gehe zum Beispiel ungern alleine zum Arzt. Aber im Großen und Ganzen habe ich schon so viel alleine geschafft. Ich habe schon als Teenager große Reisen geplant, das Auswandern habe ich komplett alleine organisiert, ich lebe selbstständig im Ausland und habe mein Leben ziemlich gut unter Kontrolle. Das Meiste habe ich in meinem Leben erreicht, weil ich strukturiert bin und Dinge gut plane. Ich glaube, daran können sich viele ein Beispiel nehmen. Manchmal sagen Leute zwar, dass Autisten zu viel planen, aber man kommt einfach weit damit.

Nici schaffte es sich ein selbstbestimmtes Leben in Dänemark aufzubauen. Sie weiß, wie Auswandern trotz Esstörung & Depression funktioniert.

Nici, mein Gast im Interview

Wie sieht dein Leben trotz Asperger aktuell in Dänemark aus?

Ich wohne sehr zentral in einer kleinen süßen Wohnung. Die meisten meiner Freunde wohnen in der Nähe von mir. Mit meinen autistischen Freunden treffe ich mich einmal in der Woche in einer Autismusgruppe. Wie ich oben kurz erwähnt habe, bin ich Studentin. Ich habe vor kurzem ein Informatik Studium angefangen. Das nimmt mir viel Energie. Deswegen mache ich im Moment nicht allzu viel während der Woche. Man könnte sagen, ich stecke gerade noch in der Eingewöhnungsphase.

Was würdest du sagen, sind die Herausforderungen deines jetzigen Lebens? Was möchte dir das Leben beibringen?

Im Moment ist meine größte Herausforderung, dass ich nicht genug Energie bzw. Zeit für all das habe, was ich gerne machen will. Das Leben will mir auf jeden Fall beibringen, dass es ok ist um Hilfe zu bitten. Ich bin dabei besser darin zu werden. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das Leben gerne hätte, dass ich lerne mich mit meinem Autismus so zu akzeptieren wie ich bin. Im Großen und Ganzen bin ich wirklich zufrieden mit mir. Ich finde, ich bin ein toller Mensch. Ich muss nur noch lernen, mich weniger von meinem Autismus frustrieren zu lassen, wenn Dinge nicht so funktionieren, wie ich sie mir wünschen würde.

Was bedeutet es für dich Weiblichkeit zu leben?

Ich verbinde mit Weiblichkeit vor allem gefühlvoll und fürsorglich zu sein. Das soll natürlich nicht heißen, dass Männer nicht so sein können, aber daran denke ich zuerst, wenn ich an Weiblichkeit denke.

Welche deiner Qualitäten als Frau weißt du heute zu schätzen?

Ich mag an mir, dass ich sehr liebevoll bin und meine Freunde und Familie sehr schätze und das auch zeige. Ich dekoriere zum Beispiel immer für meine Familie und hole sie mit Blumen ab, wenn sie mich in Dänemark besuchen kommen. Und meinen Freunden bringe ich manchmal einfach so Blumen, weil ich an sie gedacht habe. Ich glaube, ich kümmere mich recht gut um meine Freunde.

Was würdest du gerne anderen Frauen mit Asperger oder mit einer ähnlichen Geschichte auf Ihren Weg mitgeben?

Ich würde ihnen vor allem raten nie aufzugeben und um Hilfe zu bitten, wenn sie etwas alleine nicht schaffen. Ich glaube, dass viele Frauen zu stolz oder stur sind um Hilfe anzunehmen, aber es ist wichtig zu erkennen, dass jeder manchmal Hilfe braucht.

Auch würde ich jedem raten auf sein eigenes Gefühl zu hören. Ich habe jahrelang gewusst, dass irgendwas mit mir anders war. Wenn ich nicht selbst darauf gehört hätte, hätte ich vermutlich immer noch nicht die richtige Diagnose.

Es ist auch eine gute Idee sich jemanden in einer ähnlichen Situation zu suchen, mit dem man sich austauschen kann.

Wenn man sich mit dir verbinden möchte, wo kann man dich im Netz finden?

Ich freue mich immer über Nachrichten und Kommentare auf meinem Blog UNBEMERKT: http://www.unbemerkt.eu/de

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