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wenn die eigene Identität bröckelt, Gedanken einer Psychologin

Wenn die Identität bröckelt…

Vor einigen Tagen habe ich einen herzzerreißenden Blogbeitrag von einer Frau gelesen, deren Tochter fortan als Junge leben möchte. Die Frau hatte sich immer eine Tochter gewünscht – nachdem sie also jetzt mehr als zehn Jahre Mutter einer Tochter war, soll sie plötzlich Mutter eines Sohnes sein. Eine schwere Erschütterung – auch innerhalb der eigenen Identität.

Wer bin ich?

Die Geschichte berührte mich. Ich fühlte so sehr mit, dass ich anfing zu weinen; Mir war gar nicht so recht klar, warum…  Dieser Beitrag brachte mich zurück zu einem meiner Identitätsverluste – eigentlich war es der schwerste, den ich je wegstecken musste. Ich wurde geboren als Jugoslawin und meine Eltern hatten dafür gesorgt, dass ich mir dessen stets bewusst war, auch wenn ich in Deutschland geboren und aufgewachsen war. Doch plötzlich brach in Jugoslawien der Krieg aus und das Land zerfiel. Auf einmal gab es dieses Land gar nicht mehr. Ich verlor einen wichtigen Teil meiner Identität, der mich sehr geprägt hatte. Plötzlich wusste ich buchstäblich nicht mehr, wer ich war, denn mit „Serbin“, „Kroatin“ oder „Bosnierin“ konnte ich nichts anfangen. Erschwerend kam hinzu, dass ich aus einer Mischehe stammte, also auch keine wirkliche Zuordnung möglich war. Und obwohl ich in Deutschland in Sicherheit und Luxus lebte, während zuhause der Krieg tobte, war ich am Boden zerstört. Mit meinem Heimatland war buchstäblich ein Teil von mir gestorben.

Meine Scheidung kam mir in den Sinn. Von einem Tag auf den anderen war ich nicht mehr „Ehefrau“. Aus dem „Wir“ war wieder ein „Ich“ und eine dieser bedauernswerten „alleinerziehenden Mütter“ geworden – eine neue Identität.

Was bleibt übrig?

Während ich darüber nachdachte, wurde mir klar, wie viele äußere Einflussfaktoren unsere Identität mitbestimmen und wie sehr wir darunter leiden, wenn Teile davon wegbrechen. Wäre ich nicht mehr Online-Redakteurin, Sportlerin, Bloggerin, Schwester, Tochter, Partnerin, Freundin, Reiterin – was bliebe dann von mir übrig? Und ist es noch genug, um mich zusammenzuhalten? Und ist das der Grund, warum wir manchmal Veränderungen so fürchten? Weil sie uns einen Teil unserer Identität rauben? Wenn ich nur noch Frau, nur noch Erdenbewohnerin, nur noch bewegte Energie bin – bin ich dann noch genug? Werde ich dann noch gesehen? Werde ich dann noch geliebt?

Authentisch bleiben

Um welchen Preis bin ich bereit, Teile meiner Identität aufzugeben oder gegen andere einzutauschen? Wie wichtig ist mir dabei, dass ich innerhalb meiner Identität noch authentisch bin? Was sehe ich, wenn ich in den Spiegel schaue? Einen Teil meiner Identität? Sicherlich, denn auch mein Aussehen gehört zu mir und ich höre es nicht ungern, wenn mein Lieblingskollege mit den Worten: „Hallo schöne Frau…“ mein Büro betritt. Tag für Tag wird sich mein Gesicht unmerklich verändern und vielleicht werde ich eines Tages verstehen, warum so viele Frauen versuchen, diesen Veränderungen mit Botox, Silikon und Hyaluronsäure den Kampf anzusagen… weil sie diesen Teil ihrer Identität gerne so lange behalten möchten. Eine Frau, nach der sich Männer umdrehen – auch das mag Identität bedeuten.

Born to be…

In sozialen Netzwerken beschreibe ich mich häufig mit „Born to be Clown“ und wer mich gut genug kennt, wird mir sofort zustimmen. Denn ich liebe es, Menschen mit meinem schrägen Humor und meinem losen Mundwerk zum Lachen zu bringen oder in schlagfertige Wortgefechte zu verwickeln. Ist dieses Talent Teil meiner Identität oder nur etwas, das ich tue, weil ich es mir so angewöhnt und nie hinterfragt habe? Weil es mir zu anstrengend war, mich ernsthaft mit Konflikten auseinanderzusetzen statt darüber Witze zu reißen… Und wie sehr beeinflusst das Bild, das ich von mir selbst habe, meine eigene Identität? Wie sehr beeinflusst der Eindruck, den ich auf andere mache, meine Identität. Kann ich mir aussuchen, wer ich sein will?

Ich kann nicht verhindern, dass meine Identität – wie alles andere – dem Wandel der Zeit gehorcht und Transformationen durchläuft. Auf einige habe ich Einfluss – auf andere nicht. Also lohnt es sich, darüber nachzudenken, wer ich sein möchte, wenn sich die vielen Schichten meiner Identität von mir abschälen. Wer bin ich, wenn ich nur noch Mensch, Frau, Bewohnerin auf dem Planeten Erde bin?

In Liebe, Sonja


Über Sonja:

Sonja van der Veen ist 46 Jahre alt, lebt mit ihrer Familie in Bad Honnef am Rhein und ist von Beruf Online-Redakteurin. Ihre Stärke – und große Liebe – ist die Kommunikation. Sonja schreibt Texte, mit denen sie an Poetry Slams (Dichter-Wettbewerbe) teilnimmt, spricht sechs Sprachen und engagiert sich für Menschen, die Hilfe brauchen (z.B. beim Schreiben von Bachelor-Arbeiten, Bewerbungen, etc.). Ihre Hobbies sind Kochen, Sport und ihr Karnevalsverein, der “Circus Comicus”. Ihr Lebensmotto “Born to be Clown” passt zu ihrer Lebenseinstellung, denn Sonja ist fest davon überzeugt, dass Humor dem Leben die Ecken und Kanten nimmt.


Bildquelle:

https://www.pexels.com/photo/woman-holding-black-photo-frame-975680/

 

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Jenny Rebbert
    2. August 2018 14:21

    Liebe Sonja,

    Vielen lieben Dank, dass du deinen Artikel hier auf stunning femininity veröffentlicht hast :).
    Ein wirklich sehr interessanter Artikel und ich finde es so spannend, was andere Geschichten in einem selbst auslösen und was für Themen zum Vorschein kommen, über die man sich entweder noch gar keine Gedanken gemacht hat, gedacht hat sie seien nicht wichtig oder sie vielleicht sogar verdrängt hat? Ich lebe mittlerweile danach, dass unsere Themen, die angeschaut werden wollen, sich irgendwann zeigen und bei dir scheint genau das gerade passiert zu sein! Und ich freue mich, dass du davon erzählst und die Fragen, die du stellst, finde ich so interessant und spannend. Ja unsere Identität setzt sich im Laufe unseres Lebens aus vielen verschiedenen Aspekten zusammen und ich würde sagen unsere Identität formt sich ein Leben lang. Sie bleibt nie diesselbe. Also im Grunde schon, aber an der Oberfläche nicht! Und ich glaube, dass viele Menschen damit ein Problem haben und mit sich brechen, weil sie sich fragen, ob sie denn noch dieselben sind und so noch geliebt, verstanden, gesehen usw. Werden! Ob sie noch gut genug sind… All das, was du beschreibst! Ich habe dazu eine ganz klare Meinung und sage definitiv: JA! Denn jeder Mensch ist einzigartig, entwickelt seine ganz eigene Persönlichkeit und egal wie er sich auch verändert, er bleibt im Grunde genauso stark, genauso schön, genauso einzigartig! Was wäre ein Leben ohne Veränderungen? Ich glaube ziemlich langweilig. Aber jeder einzelne muss für sich seinen eigenen Umgang mit seiner Identität und der Veränderung seiner Identität finden. Ich selbst habe mir im Laufe meines Prozesses die Frage gestellt, was bin ich wenn ich meine Essstörung nicht mehr habe, wer bin ich, wenn ich mir erlaube glücklich zu sein, bekomme ich dann noch genug Aufmerksamkeit? Meine Identität hat sich über so viel negative Erfahrungen geformt, dass es für mich unvorstellbar geworden ist auch glücklich zu sein, aber manchmal muss man auch einen alten Teil seiner Identität loslassen um noch größer, schöner stärker von innen wie auch außen zu werden und egal wie er sich verändert oder eben auch nicht!

    Und auch die Frage, kann ich mir aussuchen wer ich sein will? In meinen Augen schon, denn ich bin mein eigener Schöpfer, ich hab mein Leben, das ich bin, in der Hand und ich entscheide wer ich sein möchte und was ich leben will! Sicher sind die Anlagen vorgegeben, aber wir entscheiden selbst, was wir damit machen.
    Ach du siehst, es sprudelt gerade so aus mir heraus, weil ich all deine Fragen sehr wertvoll finde und ein paar Minuten mehr werde ich mir auch dafür nehmen um mal intensiver darüber noch nachzudenken!

    Ich danke dir und grüße dich!
    Jenny

    Antworten

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